Server erzeugen viel Wärme etwa so viel, wie sie an Strom verbrauchen. In den meisten Rechenzentren weltweit wird sie an die Außenluft abgegeben, weggekühlt und verschwendet. In einer Zeit, in der Heizen teuer ist und CO₂ knapp wird, ist das absurd. Moderne Rechenzentren in Deutschland werden deshalb zunehmend so geplant, dass die Abwärme in die Stadt geht über die örtlichen Stadtwerke an Wohnhäuser, Schulen und kommunale Gebäude.
Wie das technisch funktioniert
Vier Schritte, vereinfacht erklärt von den Servern bis zur Wohnung:
Warum diese Lösung zukunftssicher ist
Klassische Wärmeerzeugung – egal ob Erdgasbrennwerttherme im Keller, Ölheizung oder selbst Fernwärme aus einem Gaskraftwerk – hat zwei strukturelle Probleme: Sie ist abhängig von externen Brennstoffen und sie verursacht CO₂-Emissionen. Rechenzentrumsabwärme hat weder das eine noch das andere Problem.
Konkret: Das Rechenzentrum stellt der kommunalen Wärmegesellschaft die Abwärme direkt zur Verfügung. Diese Wärme ist ein Nebenprodukt, das ohne Abnahme ansonsten ungenutzt in die Außenluft entweichen würde. Die benötigte Energie für den Betrieb der Wärmepumpen kommt am Standort Philippsburg vollständig aus der eigenen Photovoltaik- und Speicherinfrastruktur.
Kein Brennstoffpreis
Die Wärme entsteht ohnehin. Schwankungen am Gas- oder Ölmarkt berühren den Preis nicht.
Kein CO₂-Preis
Serverabwärme verursacht keine CO₂-Emissionen. Der politische CO₂-Pfad ab 2027 trifft nicht.
Lokal verfügbar
Die Energie wird vor Ort erzeugt: kein Tankwagen, kein Pipeline-Risiko.
Aus einer Möglichkeit wird eine Pflicht
Bis vor kurzem war Abwärme-Nutzung eine freiwillige Sache: manche taten es, viele nicht. Das hat sich geändert. Das Energieeffizienzgesetz des Bundes verpflichtet neue große Rechenzentren seit dem 1. Juli 2026 zur Abwärmenutzung: beginnend mit 10 Prozent der Wärme, ansteigend auf 20 Prozent für Anlagen, die ab 2028 in Betrieb gehen. Aus einer Möglichkeit ist eine Pflicht geworden, und Philippsburg startet von Anfang an oberhalb dieser Mindestquote.
Für Bürger und Kommunen heißt das: günstige, klimaneutrale Wärme ohne fossilen Brennstoff, ohne CO₂-Preis-Risiko.- Kernaussage zur Abwärmenutzung in modernen Rechenzentren
Was das für Philippsburg konkret heißt
Die genauen Größenordnungen hängen vom Ausbau ab. Im ersten Schritt, Wärmenetz allein in Philippsburg, sprechen wir über eine Größenordnung, die einen wesentlichen Teil der heute mit Gas oder Öl beheizten Haushalte abdecken kann. Im Zielbild „Bruhrain", also einem Verbund von Philippsburg mit den Nachbargemeinden Waghäusel und Oberhausen-Rheinhausen, wächst die Wärmemenge auf rund das Zweieinhalbfache.
Wärme aus dem Datacenter: was möglich ist
Die genauen Zahlen werden in den weiteren Sondierungsschritten mit Stadt, Stadtwerken und potentiellen Anschlussnehmern erarbeitet.
Was die Wärme nicht ist
Damit kein falsches Bild entsteht: Eine Fernwärme-Versorgung kommt nicht „von selbst" an jedes Haus. Sie braucht ein Leitungsnetz, das gebaut werden muss, und sie verbindet sinnvoll die Gebäude, die in geeigneten Abständen liegen, typischerweise in dichter besiedelten Stadtteilen, nicht in jedem Einzelgehöft. Ob ein bestimmtes Haus angeschlossen wird, hängt von der Trassenplanung der Stadtwerke ab.
Auch keine fertige Antwort gibt es bei den Tarifen: Die werden durch die kommunal mehrheitlich getragene Wärmegesellschaft im Stadtwerkemodell beschlossen, nicht durch das Rechenzentrum. Was wir zusichern können: Der strukturelle Kostenvorteil (kein Brennstoff, kein CO₂) gibt der kommunalen Seite Spielraum, den eine gas- oder ölbasierte Wärme nicht hat.
Mehr Hintergrund zum Vorhaben gibt es in unserem ersten Beitrag „Was ist ein Rechenzentrum" sowie in der historischen Einordnung des Standorts.